Nach einer Ewigkeit sehen wir uns wieder. Sobald ich in seinem Auto
sitze, fühlt es sich ein bisschen wie zuhause an. Auch nach so langer
Zeit noch. Sein Geruch hängt in den Polstern der Sitze und mit ihm atme
ich Erinnerungen an die Tage vor zwei einhalb Jahren ein, als der
Frühling die Welt zum Leben erweckte und der Sommer mir ein Lächeln auf
die Lippen zauberte. Er war mein bester Freund. Wir haben uns
auseinander gelebt. Sowas kann passieren, ich denke, dass es in Ordnung
ist. Während einer ausgiebigen OKF, wie wir sie ab und an zu tun
pflegten, werten wir die Ereignisse der vergangenen Monate aus und mit
jedem Kilometer, den wir abklappern, fallen mir die Tage ein, die wir
zusammen verbrachten. Die Gespräche und Diskussionen, die ich mit ihm
führte. Mir fällt auf, was für eine wichtige Rolle er einmal in meinem
Leben gespielt hat. Ich kann mit ihm noch genauso gut reden wie damals.
Ich kann noch genauso viel Spaß mit ihm machen. Es kommt mir unglaublich
vertraut vor und doch ist es nur eine Erinnerung. Wie ein
Kinderspielzeug, dass man immer lieben wird, doch mit den Jahren einfach
den Bezug dazu verliert.
Stundenlang lagen wir im Gras am
Muldenufer. Er hatte mir Gänseblümchen in die Schnürsenkel geflochten,
während ich, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und auf einem langen
Grashalm kauend, in der Wiese lag und die Wolken beobachtete. Wir rieten
Wolkenbilder und beobachteten die Flugzeuge, die lautlos über uns
hinwegzogen. Ich konnte mir nichts erträumen, was in diesem Moment hätte
schöner sein können als gemeinsam im kalten Gras zu liegen und den
Himmel anzustarren.
Wir biegen auf den Parkplatz ab, auf dem wir
uns immer getroffen hatten, sitzen noch eine Weile im Auto und reden.
Oder besser: ich rede. Ich rede immer, wenn es mir gut geht und ich mich
wohl fühle. Umso mehr zeigt es mir, dass sich nichts verändert hat.
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