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Sonntag, 5. Januar 2014

Gute Vorsätze und die Wut auf das vergangene Jahr

Da bin ich wieder, nachdem ich monatelang nichts habe von mir hören und sehen lassen.
Ich bin keiner dieser Menschen, die viel davon halten Silvester krass zu zelebrieren und dem Jahreswechsel eine so große Bedeutung zuzuschreiben - klar, zweifelsohne sind Feuerwerke etwas wunderschönes, ich könnte sie mir stundenlang anschauen, würde nicht irgendwann die Genickstarre einsetzen, und natürlich ist es schön, mit den Liebsten zusammen zu sein.
Aber ich bin es Leid in den Tagen vor Silvester Facebookeinträge der Art "Fick dich 2013, ich bin froh, wenn du vorbei bist" und an Neujahr Dinge wie "Frohes Neues meine Süßen, dieses Jahr wird das Beste überhaupt!" zu lesen.
Was ist bloß mit den Menschen los? Nur, weil wir alle neue Kalender kaufen und das Zählen der Tage von vorne beginnt, heißt das doch nicht, dass sich das Leben ändert. Unsere Zeitrechnung interessiert doch eigentlich niemanden, sie hat in diesem Sinne keine Bedeutung. Ein Leben wird nicht besser, wenn man ein vergangenes Jahr verflucht, Lebensabschnitte sind nicht in Jahren gegliedert und überhaupt, was ist das für eine Logik zu sagen "Im nächsten Jahr werde ich dies und das besser machen"? Jeder Mensch und sein Leben ist davon abhängig, was er selbst tut. Wenn man unzufrieden ist, kann man jeden Tag, ja sogar jeden Moment, seine Lebensweise ändern und Vorsätzen folgen um sich selbst glücklicher zu machen. Warum auf ein neues Jahr warten und am Ende noch dieses dafür verantwortlich machen, dass es einem schlecht geht?

Ich bin der Meinung, dass viele Menschen das überdenken sollten. Ich sage nichts gegen gute Vorsätze, auch wenn ich niemanden kenne, der sie jemals vollständig eingehalten hat. Das neue Jahr mit Freude und Zuversicht zu begrüßen gehört ganz einfach zu unserer Tradition, aber man sollte es eben nicht übertreiben.

In diesem Sinne:
Gesundes Neues!
Kylie

Montag, 22. Juli 2013

Strahlende Kinderaugen

Kennt ihr das? Ihr seid gestresst, müde und wollt eigentlich nur nach Hause... und dann kommt da jemand mit einem Baby im Arm, was dich mit staunenden Augen anschaut und beginnt zu lachen, während es unaufhörlich auf seinen winzigen Fingern herum katscht. Dann ist auf einmal die Welt wieder in Ordnung. Das hat heute auch Jeremy geschafft, das Kind des Kindes der Tante meines Vaters (verwirrend, ich weiß). Ich durfte den neusten Familienzuwachs heute das erste mal in Augenschein nehmen und war - wie nicht anders zu erwarten - hin und weg von dem kleinen Burschen. Ich habe versucht euch den Babyzauber festzuhalten. Die Bilder sind (um ehrlich zu sein) nicht mit besonders viel Liebe und Geduld gemacht, aber ich finde sie haben ihren Reiz, auf gewisse Art und Weise.


Donnerstag, 18. Juli 2013

Vier Jahre

Wir lassen diesen Tag vergehen, als wäre es einer wie jeder andere. Und irgendwie ist es auch ein Tag wie jeder andere, zumindest mittlerweile. So viele Wochen und Monate sind seitdem vergangen. Tage und Stunden, in denen wir gewachsen sind, reifer wurden und uns letztendlich in ganz andere Menschen verwandelten. Wir haben viel gespielt, vieles verspielt, manchmal gewonnen. Wir haben Kommas gesetzt, wo ein Punkt nötig gewesen wäre und wo ein Komma hätte sein sollen, entschieden wir uns für einen Punkt. Unsere Geschichte hat keine Kapitel, sie ist ein verworrener Lückentext, der irgendwann einfach abbricht und an einer anderen Stelle fortsetzt. Wo andere an ein Ende glaubten, hörte es für uns noch lange nicht auf. Vielleicht weil wir wissen, dass wir frei sind. Weil wir wissen, dass niemand die Freiheit des anderen einschränkt. Vielleicht haben wir uns deshalb nie ganz verloren. Und vielleicht lassen wir aus genau diesem Grund diesen Tag vergehen. 

Zu wissen, wie es ist zu fliegen. Vielleicht verbindet uns das. Vielleicht nur das.

Dienstag, 25. Juni 2013

50f - Nacht


Die Nacht - wie oft ist sie der schönere Teil des Tages? Ich fühle mich geborgen, wenn ich nachts durch sperrlich beleutete Straßen schlendere. Es fühlt sich frei an, freier als zuvor. Ich atme die kühle Luft der Dunkelheit ein. Sie ist so klar, so voller Energie. Es ist, als würde der Schein des Mondes nur die guten Dinge im Leben beleuchten, als würden alle Probleme des Tages plötzlich nicht mehr existieren. Nachts leben wir. Nachts leben wir so, wie wir es am Tag nicht können. Wir hetzten, haben Termine und die Angst zu versagen setzt uns unter ständigen Druck. Sei es Schule oder Arbeit. Aber nachts zählt das nicht mehr. Nachts zählen nicht die Dinge die Wichtig sind, sondern die Dinge, die uns am Herzen liegen. Warum sonst, leben wir so oft in die Nacht hinein? Warum sonst amüsieren wir uns in den Nächten am besten?
Vielleicht ist sie genau deswegen der angenehme Teil des Tages - die Nacht.

Samstag, 25. Mai 2013

Über verflossenes

Ich betrete die Halle. Es riecht vertraut, nach Kartoffeln, aber irgendwie gut. Wahrscheinlich, weil ich mit diesem Geruch eine Erinnerung verbinde. Eine schöne Erinnerung. Die Kollegen grüßen mich mit einem "Du schon wieder" oder "Du kommst auch immer wieder her" und haben ein kleines Lächeln auf den Lippen. Scheinbar sind sie es von den wenigsten gewohnt, dass sie doch jedes mal wieder die wertvolle Zeit ihrer Jugend Kartoffeln zuwenden, nur um etwas Geld zu verdienen. Aber ich finde es nicht schlimm. Eingentlich macht es mir gar nichts aus. Ich lasse mein Blick durch die Maschinen schweifen. Und Moment, da war er. Ich beobachte ihn. Es muss jetzt ein dreiviertel Jahr her sein, als wir uns zuletzt gesehen haben. Er sieht nicht mehr so gepflegt aus. Wahrscheinlich ist das einfach so, wenn man sich festgesetzt hat. Ich erinnere mich, wie er mir von ihr erzählt hat und frage mich ob er jetzt glücklich ist. Er sieht zufrieden aus. Er weicht meinen Blicken aus und doch würde er mir gern in die Augen schauen. Man sieht, wie er mit sich kämpft, mit der Erinnerung an uns.  Ich denke an das, was zwischen uns war im letzten Sommer. Es war besonders. Es war Liebe auf den ersten Blick, nur das Liebe nicht das richtige Wort ist.
Letztendlich haben wir weitergelebt wie vorher, als hätten wir uns nie gekannt. Und doch war es schön, dich wieder einmal einfach nur anzusehen.

Freitag, 17. Mai 2013

Vorwärts kommen

Ich betrete den Raum. Gemischte Gefühle. Ich suche nach dem Blatt, auf dem mein Name steht, und bin erleichtert, dass ich nicht in der ersten Reihe sitze. Es ist der Moment der Wahrheit - sozusagen. Jetzt wird sich zeigen, was vier Jahre Ausbildung "so nebenbei" wirklich gebracht haben.
Ich lese mir die Prüfung einmal durch und es kommt mir etwas lächerlich vor. Keine Aufgabe, die ich nicht auf Anhieb lösen könnte. Keine Aufgabe, für die man nur annähernd so viel Zeit bräuchte, wie vorgegeben ist. Ich lasse es also ruhig angehen. Das ist immerhin kein gymnasiales Niveau.
Ich schaue meinen Talisman an, den kleinen Mann aus Ton, den meine Mama mir mitgegeben hat und den jeder Aufsichtslehrer mit einem Lächeln auf den Lippen betrachtet. Auch, wenn ich nicht glaube, dass Gegenstände Glück bringen und ich ganz davon abgesehen nicht viel Glück brauche, um in dieser Prüfung gut abzuschneiden, bin ich doch froh, dass er einfach nur auf meinem Tisch steht und mich beim arbeiten beobachtet. Er gibt mir das Gefühl, dass jemand jetzt schon stolz auf mich ist. Auf das was ich mache und auf das was ich erreicht habe. Und irgendwie motiviert es mich.
Ich versuche jede meiner Antworten gut zu durchdenken und auszuformulieren, obwohl das letztendlich kaum eine Rolle spielen wird. Aber warum Dinge nicht so perfekt wie möglich machen, wenn man sie erst einmal in Angriff genommen hat? Ich arbeite mich durch Lagerlogistik, Netzpläne und Betriebsabrechnungsbögen. Ich erstelle Datenbanken und modelliere Geschäftsprozesse, ich mache dies und das, lese jede Aufgabe noch einmal um nichts zu vergessen und mache Häkchen, wenn ich sie gelöst habe.
Ich denke nach über das, was mir gerade passiert. Mir fällt auf was wir alles können, vielleicht nicht das, was wir nach den vier Jahren können sollten, aber immerhin etwas. Wir können Dinge, bei denen unsere Jahrgangskollegen fragend die Stirn runzeln würden. Wir sind ihnen einen Schritt voraus. Wir stehen am Ende einer Berufsausbildung. Wir haben das Wirken von Betrieben kennengelernt, das Leben eines Arbeiters. Elf lange Wochen lang, während andere in der Sonne lagen oder Skipisten unsicher machten, haben wir etwas für unsere Zukunft getan. Ich habe etwas für meine Zukunft getan. Ich kann sogar ein Stück weit mit meinen Eltern mitreden und das gibt mir das Gefühl, dass es sich gelohnt hat. Es wird sich auszahlen, wenn die Zeit dazu gekommen ist und genau das ist es doch, was zählt. Ich bin vorwärts gekommen. Und darauf sollte man stolz sein.

Dienstag, 26. Februar 2013

18.02.

Wir schreiben den 18.02. und wenn ich mich jetzt nicht verrechnet habe, wäre heute unser 43. Monatstag. Ich sehe den grünen Punkt in der Facebook-Chatleiste und frage mich, wann ich das letzte mal mit ihm Kontakt hatte. Ich klicke seinen Namen an... zögere... schließe das Chatfenster. Ich weiß, dass ich damit abgeschlossen habe, trotzdem sagt mir ein Gefühl, dass es nicht gut für mich wäre alte Kontakte wieder aufleben zu lassen.

Kaum Stunden später blub, Facebooknachricht. Ich schaue mit schrägem Blick etwas ungläubig auf meinen Monitor. Als hätte er bemerkt, dass ich ihm beinahe geschrieben hätte. Schicksal?
Wir schreiben über dies und das, Ausbildung, Schule, Studium. Unumgänglicherweise fällt das Thema auf uns. Wir tauschen Erinnerungen, lassen sie für kurze Momente aufleben. Währenddessen stelle ich fest, wie vertraut er mir nach all der Zeit noch immer ist. Seither habe ich keinem Menschen nur annähernd so viel Vertrauen geschenkt, so viel von mir preisgegeben.
Ich suche nach den Dingen, für die ich ihn einmal so liebte. Viel ist nicht übrig. Wir haben uns verändert, beide. Wir sind verschiedene Wege gegangen und keiner weiß wohin der Weg des anderen führt, nur eins weiß ich sicher: Sein Weg ist weit entfernt von meinem. Was uns bleibt ist der letzte Rest Vertrautheit.

Mit all den Themen, die wir durchsprechen, merke ich wie sehr ich all das gern einmal wieder spüren würde. Bedingungslose Hingabe, sich einfach fallen zu lassen und so zu sein wie man ist. So zu sein, wie man geliebt werden möchte. Und vor allem so geliebt zu werden.

Sonntag, 23. Dezember 2012

Fucking Christmas

Ich rase auf Weihnachten zu und die Stimmung wird stetig schlechter. Trotz der Tatsache, dass jetzt endlich Ferien sind und ich mich nicht mehr auf das Lernen unnützer Dinge konzentrieren muss, bekomme ich einfach keine Ruhe in mein Leben und die "kleinen besonderen Momente" scheinen wie ausgestorben. Es gibt einfach nichts, was mich momentan glücklich macht. Ganz im Gegenteil. Alles scheint an mir vorbei zuziehen. Das Zugehörigkeitsgefühl geht in jeder Hinsicht gegen Null. Lauter Menschen sprechen mit mir, fragen nach meiner neuen Haarfarbe. Ich glaube meine Haare sind die Kommunikationsbrücke zwischen mir und meinen Mitmenschen. Traurig irgendwie. Oberflächliche Gespräche und Handlungen bestimmen meinen Alltag. Ich erfahre Dinge über Menschen, die ich entweder gar nicht kenne oder die mich nicht interessieren. Nur über die Menschen selbst, die mir das alles erzählen, erfahre ich quasi nichts.
Es macht mir Angst, wie schnell sich alles wandelt. Wie schnell Menschen plötzlich ganz wo anders hingehören. Dass sie in einer anderen Welt leben, nicht mehr in meiner. Und vor allem ist es schwer zu glauben, dass es mal so gewesen sein soll, denn dafür scheint mir das alles hier viel zu fremd, viel zu aufgesetzt und vor allem viel zu unpersönlich.

Samstag, 24. November 2012

Zu schnell vorbei

Es ist der 24. November, ich sitze auf der Weihnachtsfeier meines Vereins und erinnere mich an diesen Tag vor einem Jahr. Es war ein Donnerstag. Es war ein grauer, kalter, winterlicher Donnerstag. Irgendwie so gar nicht mit heute vergleichbar.
Heute wäre Jahrestag - und es ist gut, dass es nicht so ist.
Es fühlt sich wunderbar an, so wie es jetzt ist. Es fühlt sich gut an unabhängig zu sein, Zeit für mich zu haben und einfach das zu machen, wonach ich Lust habe. Ich denke ich bin nie richtig gewesen für diese Beziehung. Vielleicht bin ich nicht der Mensch, der überall hingeschleppt werden möchte, nur um dazustehen wie eine Schaufensterpuppe, die zwar für den Moment angegafft wird, der man jedoch am Ende wenig Beachtung schenkt. Vielleicht habe ich aber auch einfach keine Lust mich mit Möchtegernfreunden zu umgeben, die mehr Falsches über mich reden, als sie Wahres über mich wissen. Ich mochte es nie und trotzdem habe ich es mitgemacht. Warum? Wenn ich so darüber nachdenke, bin ich wohl recht selten wirklich mit dem Herzen dabei gewesen. Ich denke an die Abende unter diesen Menschen, die ich alle eigentlich gar nicht kannte. Wo immer über den gesprochen wurde, der den Raum verließ und alle nur umeinander herumredeten statt miteinander. Ich habe den Sinn davon nie verstanden.
Es kommt mir vor, als wäre das alles gar nicht mir passiert. Ist das Verdrängung oder liegt es daran, dass es mir nie wirklich etwas bedeutet hat? Die Erinnerungen kommen mir so weit entfernt vor, so verblasst. Ich könnte es mir heute nicht mehr vorstellen, nicht im Geringsten. Es fühlt sich an, als wäre das alles nur an mir vorbeigezogen.

23 Uhr. Er holt mich von der Weihnachtsfeier ab. Ich lasse meine beste Freundin dort zurück, aber für ihn lohnt es sich. Ich steige in sein Auto und wir fahren zu ihm. Auf dem Tisch liegt die letzte kleine Packung Maoam, die wir das Mal zuvor gekauft hatten. Mir fällt ein, dass er mir zu meinem 15. Geburtstag vor zweieinhalb Jahren eine Stange Maoam geschenkt hatte. Wir beginnen über diese "alten Zeiten" zu sprechen. Er zeigt mir die Bilder seiner neuen Wohnung und erklärt mir seine Ideen, wie er sie gern streichen möchte. Mir gefällt seine Kreativität, ein bisschen erinnert er mich damit an mich selbst. Wir reden und lachen und ich merke wie gut mir das tut. Manchmal denke ich, dass er genau weiß, worauf es mir ankommt.
Ich denke an das Jahr zurück und ich denke an die Zeit, die diese Freundschaft schon überdauert. Vielleicht ist das soetwas, was nie schwindet. Vielleicht.

Samstag, 17. November 2012

Lukas

Ich schaue alte Fotos an. Ich tue das oft, aber diesmal aus einem anderen Grund als sonst. Ich suche Bilder von mir, Bilder die vielleicht ein bisschen zeigen wie ich war. Ich möchte herausfinden, wer ich bin und was aus mir geworden ist. Beim Kroatienurlaub bleibe ich hängen. 2004. Wunderschöne Fotos von drei noch viel schöneren Wochen. Ich war mit Tim dort, meinem Halbonkel, und seinen Eltern. Ich war gerade einmal acht Jahre alt und es hat mich keine Sekunde gestört soweit weg von zuhause zu sein, so weit weg von meinen Eltern. Wahrscheinlich mochte ich es schon damals, wenn ich Ruhe vor allen hatte. Ich weiß nicht, ob ich schon jemals sowas wie Heimweh empfunden habe.
Und plötzlich schießt mir durch den Kopf, warum meine Eltern mich in diesen Urlaub geschickt hatten. Ich schließe den Ordner und öffne den nächsten. Island heißt er, Island 2005. Ich klicke mich durch die Vielzahl von Bildern und bleibe hängen bei einem Foto meines Bruders. Er streckt die Zunge heraus und grinst in die Kamera. Ich sehe das leuchtende blonde Haar und seine tiefblauen Augen und stelle fest, wie wunderschön er ist. Es ist mir noch nie ein schönerer kleiner Junge begegnet als der, der mich gerade aus dem Monitor heraus anschaut. Ich fange an zu lächeln. Ich habe den schönsten Bruder der Welt.
Er sieht so klein aus, so zerbrechlich. Mir läuft eine Träne übers Gesicht. Ich merke, wie viel Stärke in diesem kleinen Körper stecken muss, um jetzt noch bei uns zu sein. Ich fange an zu weinen.
Ich erinnere mich daran, er hat sich wohl selbst das Leben gerettet, als er sagte: "Ich will nicht mehr zum Doktor, Mama, ich will ins Krankenhaus." Ich weiß nicht, ob ich mit vier Jahren jemals den Mut gehabt hätte soetwas zu sagen. Den Mut dazu hätte ich wohl nicht einmal jetzt. Unsere Ärztin hat seine Schmerzen nie ernst genommen. Wenn ich soetwas wie Hass empfinde, dann nur für diese Frau.

Es waren Sommerferien, das war gelegen, denn meine Eltern konnten mich an meinen Opa abschieben. Ich war in Kroatien. Ich glaube damals war mir noch nicht klar, dass sie mich in den Urlaub mitgeschickt haben, weil es so schlecht um meinen Bruder stand. Vielleicht wollten sie, dass ich es nicht mit ansehen muss, im schlimmsten Fall. Ich weiß es bis heute nicht genau.
Ich klicke weiter, weinenden. Unglaublich viele Fotos von ihm und mir. Ob sie das bewusst gemacht haben?
Es kostet mich Überwindung, doch ich traue mir die Vorstellung durch den Kopf gehen zu lassen, was wäre, würde er auf all diesen Bildern fehlen, würde er jetzt fehlen. Der Mensch, den ich so oft meckernd aus meinem Zimmer vertreibe, den ich so oft zurückweise - "jetzt nicht, ich bin beschäftigt". Der Mensch, der meinen Eltern nie erzählt, wenn ich Freunde bei mir hatte. Es fühlt sich leer an.
Mir fällt ein wie er in mein Zimmer kam, nach der Trennung von meinem Freund. Ich habe geweint, genau wie ich es jetzt tue. Er schaute mich mit fragenden Augen an "Was ist passiert?", aber ich konnte nur mit dem Kopf schütteln. Da kam er einfach, legte mir seine kleinen Ärmchen um den Hals und während er mich drückte sagte er es, leise aber doch ganz sicher und klar, "Alles wird gut". Ich habe jeden gehasst, der mir soetwas sagte. Doch aus seinem Mund war es anders. Vielleicht, weil er noch ein Kind war und Kinder wissen, wie man mit den Gefühlen eines Menschen umgehen muss, vielleicht aber auch, und wahrscheinlich genau deswegen, weil vor allem er das Recht hat behaupten zu können, dass alles gut wird.

Noch nie ist mir in so kurzer Zeit klar geworden, wie sehr ich einen Menschen liebe. Wie sehr ich meinen Bruder liebe. Wie sehr ich Lukas liebe, den schönsten Jungen mit dem schönsten Namen der Welt.


Dienstag, 13. November 2012

Wolkenbilderraten

Nach einer Ewigkeit sehen wir uns wieder. Sobald ich in seinem Auto sitze, fühlt es sich ein bisschen wie zuhause an. Auch nach so langer Zeit noch. Sein Geruch hängt in den Polstern der Sitze und mit ihm atme ich Erinnerungen an die Tage vor zwei einhalb Jahren ein, als der Frühling die Welt zum Leben erweckte und der Sommer mir ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Er war mein bester Freund. Wir haben uns auseinander gelebt. Sowas kann passieren, ich denke, dass es in Ordnung ist. Während einer ausgiebigen OKF, wie wir sie ab und an zu tun pflegten, werten wir die Ereignisse der vergangenen Monate aus und mit jedem Kilometer, den wir abklappern, fallen mir die Tage ein, die wir zusammen verbrachten. Die Gespräche und Diskussionen, die ich mit ihm führte. Mir fällt auf, was für eine wichtige Rolle er einmal in meinem Leben gespielt hat. Ich kann mit ihm noch genauso gut reden wie damals. Ich kann noch genauso viel Spaß mit ihm machen. Es kommt mir unglaublich vertraut vor und doch ist es nur eine Erinnerung. Wie ein Kinderspielzeug, dass man immer lieben wird, doch mit den Jahren einfach den Bezug dazu verliert.
Stundenlang lagen wir im Gras am Muldenufer. Er hatte mir Gänseblümchen in die Schnürsenkel geflochten, während ich, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und auf einem langen Grashalm kauend, in der Wiese lag und die Wolken beobachtete. Wir rieten Wolkenbilder und beobachteten die Flugzeuge, die lautlos über uns hinwegzogen. Ich konnte mir nichts erträumen, was in diesem Moment hätte schöner sein können als gemeinsam im kalten Gras zu liegen und den Himmel anzustarren.
Wir biegen auf den Parkplatz ab, auf dem wir uns immer getroffen hatten, sitzen noch eine Weile im Auto und reden. Oder besser: ich rede. Ich rede immer, wenn es mir gut geht und ich mich wohl fühle. Umso mehr zeigt es mir, dass sich nichts verändert hat.

Montag, 15. Oktober 2012

Menschen

Wenn ihr jemanden schwul nennt macht euch das nicht heterosexuell. 
Jemanden scheiße zu nennen macht euch zu keinem besseren Menschen.
Es macht euch nicht klug nur weil ihr jemanden als dumm bezeichnet.
Jemanden fett zu nennen macht euch nicht dünn. 
Einen Menschen zu hassen heißt nicht deswegen von anderen geliebt zu werden. 
Nur weil man die Probleme ausschließlich bei anderen sieht ist man noch lange nicht fehlerfrei.

... Schade, dass die Menschen ihr Leben lang nur nach einem Sündenbock suchen, anstatt mit sich selbst klar zu kommen.

Sonntag, 30. September 2012

Abhängigkeit

Ich behandle ein Arschloch wie ein Arschloch, doch einen Prinzen wie ein König. Doch momentan bin ich wohlmöglich blind. Ich seh in jedem Mann nen Teufel, ich weiß, deswegen schaff ichs nicht freundlich zu sein. Und seit diesem einen Kerl fällts mir schwer mich wieder zu verlieben, doch es geht nicht mehr. Wie gern hätte ich wieder dieses Glücksgefühl, häng ab mit den Typen, doch es bringt nicht viel. Ich red mir ein das geht vorbei. Ich entschuldige mich hier für mein Herz aus Stein.

Vielleicht liegt es daran, dass wieder Herbst wird, dass wir verwirrt sind - mein Herz und ich. Mir fällt ein, wie sehr ich mich durch einen Menschen verändert habe, den ich heute noch freundlich grüße, sollte es etwa einmal im halben Jahr zu einem Aufeinandertreffen kommen. Traurig, wie abhängig wir doch von manchen Menschen sind.

Sonntag, 23. September 2012

Vergiss mein' Namen

Diese Bilder beschreiben gerade ziemlich perfekt meine undefinierbare Stimmung gemischt mit meinem Fernweh und der Vorfreude auf das windige, kalte Dänemark. Ich vermisse den Geruch von Meer, Sand und frischem Fisch.


Dieses Lied läuft den ganzen Tag in Dauerschleife. Keine Ahnung womit ich es in Verbindung setze. War halt ein komisches Wochenende. Gute Nacht.

Donnerstag, 20. September 2012

Morgen nehm ich mein Leben in die Hand, erst morgen.

Manchmal kommt der Moment wo man sagt, jetzt ist alles zu viel. Wo man überfordert ist mit allem und das Leben einem scheinbar keine ruhige Minute mehr gönnt.
Doch diesmal ist es anders. Mir ist alles zu wenig. Mit der Schule begann auch dieser eintönige Alltag wieder. Früh aufstehen, Hektik, Termine. Jeden Tag das gleiche, immer und immer wieder. Ich habe das Gefühl, dass ich nur deswegen lebe, weil ich jeden Morgen aufwache. Ich lebe nach Normen und Regeln und gebe mich so, wie die Gesellschaft es sehen möchte. Ich erlebe jeden Tag, wie die Menschen die Welt verschlechtern, indem sie versuchen irgendetwas besser zu machen. Jeden Tag geschehen verrückte Dinge. Doch das hat keine Bedeutung mehr. Viel verrückter wäre es, wenn plötzlich nichts mehr passieren würde.

Genau wie in meinem Kopf. Oder meinem Herz. Oder beidem.
Da ist nichts, rein gar nichts, was mich irgendwie aus der Bahn wirft. Kein Streit, keine Eifersucht, kein Neid und keine Liebe. Ich höre Liebeslieder, die mich noch vor einem Jahr immer an eine Person erinnert haben. Und jetzt ist da keiner mehr, den ich an diese Stelle setzen kann. Ich schaue mir alte Fotos an und fühle nix, egal wie lange ich sie anschaue. Ich liege nachts im Bett und ich kann mir niemanden vorstellen, den ich in diesem Moment gern an meiner Seite hätte. Es gibt niemanden, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Die Ecken und Kanten, die alles so spannend machen und für Ungewissheit sorgen, wo sind sie hin?

Ich dachte immer, dass es leichter wäre, wenn man nicht verliebt ist. Aber es ist anstrengend. Und belastend. Weil man für so viel freie Zeit erst einmal Verwendung finden muss.

Und hier ist das Lied, was die Situation sowieso viel schöner ausdrückt, als ich das versucht habe.

Donnerstag, 13. September 2012

You're not the best i've ever had, but you make me feel happy.

Das schlimmste nach einem Tag mit dir ist unter der Dusche zu stehen und zu riechen, wie man deinen wunderschönen Geruch von sich abwäscht. Ich würde nicht behaupten, dass du mir fehlst. Du bist auch nicht gut für mich. Aber wir haben einfach uns... und das schon seit so langer Zeit.

Dienstag, 4. September 2012

I'm tired of being all alone

Es ist ein komisches Gefühl nachts in seinem Bett zu liegen und sich an die vielen Nächte seines Leben zu erinnern, die man in diesem Bett verbracht hat. Wie oft man zu zweit hier lag, wie oft man geweint hat, wie oft man jemanden vermisst hat.
Und jetzt liege ich hier. Nicht zu zweit, aber auch nicht wirklich allein. Ich weine nicht, aber bin alles andere als glücklich. Ich vermisse niemanden und doch fehlt etwas.
So lange lag ich Abend für Abend in diesem Bett und habe an eine Person gedacht. Eine Person die ich geliebt habe und ich mir neben mich gewünscht hätte. Ich habe mich allein gefühlt, wenn mir klar wurde, dass diese Person nie mehr neben mir liegen würde.
Aber so richtig allein fühlt man sich erst dann, wenn man gar niemanden hat, neben dem man gerne liegen würde. Traurig. Ich glaube ich war so lange verliebt, ohne es wirklich gemerkt zu haben.
Gute Nacht.

Sonntag, 2. September 2012

Gemeinsame Einsamkeit

Das Schönste ist es, wenn du einen Menschen wieder siehst, den du gern hast. Einen Menschen, von dem du nie weißt wann und ob du ihn ein nächstes Mal sehen wirst. Und du schleichst dich leise an ihn an, um ihn überraschen zu können. Doch er bemerkt dich im letzten Moment und dreht sich mit geöffneten Armen und einem wunderschönen Lächeln im Gesicht um, schließt dich fest in seine Arme und lässt dich noch immer nicht los, obwohl ihr euch schon längst begrüßt habt.
Und keiner weiß, wann wir uns wieder sehen werden.

Meistens sind es doch nur diese kurzen Momente, an die man sich später erinnert und sagt, dass sie wunderschön waren.

Eigentlich hatte ich die Idee, endlich die schönsten Fotos aus dem Islandurlaub herauszusuchen und hier zu zeigen, dann wurde es aber kurzerhand anders umgesetzt als geplant. Ich mag das Bild.

Donnerstag, 23. August 2012

Steven ♥

Wer ist der Mensch, der mit dem letzen Zug zu dir fährt, nur weil du gesagt hast, dass es dir schlecht geht? Und wer nimmt es in Kauf, nach einer Stunde dann kilometerweit nach Hause zu laufen? Wer nimmt dir auf Partys den Alkohol aus der Hand, wenn er merkt das es dir nicht gut geht, anstatt dich abzufüllen? Wer bringt dich immer bis vor die Haustür, damit dir auch sicher nichts passiert nachts? Wer ist der Mensch, der dir nachts das Shirt wieder runterzieht, wenn es hochgerutscht ist, anstatt seine Hand darunter zu schieben?
Wer ist es, dessen Stiefvater du mit einer Umarmung und dessen Mutter du mit Küsschen begrüßt? Zu dessen Eltern du frech bist und immer sagen kannst, was du denkst? Wer sind diese Menschen, die morgens zwei große schwarze Doggen zum Bett schicken um dich zu wecken und wenn du es dann in die Küche geschafft hast eine große Tasse Kakao vor dir steht? Diese Menschen, bei denen du eine eigene Zahnbürste im Badezimmer liegen hast?
Wer ist dieser Mensch, der dir in die Augen schaut und ihr euch umarmt und du denkst, dass du nie wieder loslassen möchtest? Es ist der Mensch, bei dem du so sein kannst, wie du eigentlich immer bist. Bei dem du lachst und weinst, dem es egal ist, wie du rumläufst, schick oder ungeschminkt, weil du trotzdem immer sein süßes Mädchen bist.
Das ist der Mensch, auf den du immer zählen kannst und den du für nichts in der Welt gehen lässt. Weil er alles für dich ist. Denn es ist dein bester Freund.

Montag, 23. Juli 2012

Es war 200....4, als ob es gestern wär..

2004 - Was ich mit diesem Jahr neben der größten familiären Tragödie noch verbinde ist ein wunderschöner dreiwöchiger Urlaub in Kroatien... Ich will dort hin zurück!


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Und sowieso, war da noch alles so sorglos... mit 9 Jahren auf einer kleinen Yacht durchs Mittelmeer. Ohne Liebeskummer, ohne Heimweh, ohne "was wäre wenn"-Gedanken ♥