Es ist der 24. November, ich sitze auf der Weihnachtsfeier meines
Vereins und erinnere mich an diesen Tag vor einem Jahr. Es war ein
Donnerstag. Es war ein grauer, kalter, winterlicher Donnerstag.
Irgendwie so gar nicht mit heute vergleichbar.
Heute wäre Jahrestag - und es ist gut, dass es nicht so ist.
Es
fühlt sich wunderbar an, so wie es jetzt ist. Es fühlt sich gut an
unabhängig zu sein, Zeit für mich zu haben und einfach das zu machen,
wonach ich Lust habe. Ich denke ich bin nie richtig gewesen für diese
Beziehung. Vielleicht bin ich nicht der Mensch, der überall
hingeschleppt werden möchte, nur um dazustehen wie eine
Schaufensterpuppe, die zwar für den Moment angegafft wird, der man
jedoch am Ende wenig Beachtung schenkt. Vielleicht habe ich aber auch
einfach keine Lust mich mit Möchtegernfreunden zu umgeben, die mehr
Falsches über mich reden, als sie Wahres über mich wissen. Ich mochte es
nie und trotzdem habe ich es mitgemacht. Warum? Wenn ich so darüber
nachdenke, bin ich wohl recht selten wirklich mit dem Herzen dabei
gewesen. Ich denke an die Abende unter diesen Menschen, die ich alle
eigentlich gar nicht kannte. Wo immer über den gesprochen wurde, der den
Raum verließ und alle nur umeinander herumredeten statt miteinander.
Ich habe den Sinn davon nie verstanden.
Es kommt mir vor, als wäre
das alles gar nicht mir passiert. Ist das Verdrängung oder liegt es
daran, dass es mir nie wirklich etwas bedeutet hat? Die Erinnerungen
kommen mir so weit entfernt vor, so verblasst. Ich könnte es mir heute
nicht mehr vorstellen, nicht im Geringsten. Es fühlt sich an, als wäre
das alles nur an mir vorbeigezogen.
23 Uhr. Er holt
mich von der Weihnachtsfeier ab. Ich lasse meine beste Freundin dort
zurück, aber für ihn lohnt es sich. Ich steige in sein Auto und wir
fahren zu ihm. Auf dem Tisch liegt die letzte kleine Packung Maoam, die
wir das Mal zuvor gekauft hatten. Mir fällt ein, dass er mir zu meinem
15. Geburtstag vor zweieinhalb Jahren eine Stange Maoam geschenkt hatte.
Wir beginnen über diese "alten Zeiten" zu sprechen. Er zeigt mir die
Bilder seiner neuen Wohnung und erklärt mir seine Ideen, wie er sie gern
streichen möchte. Mir gefällt seine Kreativität, ein bisschen erinnert
er mich damit an mich selbst. Wir reden und lachen und ich merke wie gut
mir das tut. Manchmal denke ich, dass er genau weiß, worauf es mir
ankommt.
Ich denke an das Jahr zurück und ich denke an die Zeit,
die diese Freundschaft schon überdauert. Vielleicht ist das soetwas, was
nie schwindet. Vielleicht.
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